aktuell, 12.05.2026
Sollte die Krise am Golf bis zum Spätsommer anhalten, könnten die Spritpreise laut Prognosen wieder auf über 2,30 Euro steigen. Drei mögliche Szenarien für die deutsche Wirtschaft im Jahr 2026.
Die aktuelle Blockade strategisch wichtiger Schifffahrtswege im Persischen Golf stellt die deutsche Wirtschaft im Jahr 2026 vor eine Zerreißprobe.
Während die Preise an den Zapfsäulen derzeit noch deutlich unter der 2-Euro-Marke liegen, hängen die weiteren Aussichten massiv von der Dauer der Krise ab.
Experten unterscheiden dabei drei zentrale Szenarien: Das wahrscheinlichste Modell (50 % Wahrscheinlichkeit) geht von einer "kurzen" Blockade bis Juni aus. Hierbei würde die Inflation im Jahresdurchschnitt bei moderaten 2,8 bis 3,2 % liegen, da der Preisschock im Sommer abflacht und die restriktive Politik der EZB die Kerninflation zügig wieder Richtung der 2-Prozent-Marke drücken könnte.
Sollte sich der Konflikt jedoch über die heiße Phase des Sommers bis in den September ziehen (35 % Wahrscheinlichkeit), drohen weitaus gravierendere Folgen.
In diesem Szenario einer Blockade bis zum Spätsommer könnte die Inflationsrate im August Spitzenwerte von 4,5 % erreichen und das Wirtschaftswachstum im zweiten und dritten Quartal vollständig zum Erliegen bringen. Eine solche Stagflation entstünde vor allem durch Zweitrundeneffekte, bei denen Unternehmen die massiv gestiegenen Transport- und Energiekosten direkt an die Verbraucher weitergeben. An der Zapfsäule könnten die Preise dann auf deutlich steigen, während gleichzeitig die Lebensmittelpreise durch die Blockade wichtiger Düngemittelströme drastisch ansteigen würden.
Das extremste Szenario (15 % Wahrscheinlichkeit) skizziert eine Blockade über das Jahr 2026 hinaus. Hierbei müsste mit einer Inflationsrate von über 5 % und einem schweren Energiepreisschock im Winter 2026/27 gerechnet werden, was die Bundesregierung vermutlich zu neuen milliardenschweren Energiepreisbremsen zwingen würde.
Ein besonderes langfristiges Risiko stellen dabei mögliche Schäden an der Infrastruktur dar, etwa an den LNG-Anlagen in Katar. Da Reparaturen an solchen Hochtechnologie-Standorten Monate oder gar Jahre dauern können, wäre selbst bei einer politischen Öffnung der Seewege keine sofortige Normalisierung der Energiemärkte garantiert.
Trotz dieser volatilen Lage hält das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in seinen aktuellen Modellrechnungen an einer Prognose von durchschnittlich 3,5 % Inflation für das Gesamtjahr 2026 fest.
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